Gudrun
Kauck: Gelnhausen, Kaiserpfalz Gelnhausen, Burg,
Barbarossa, Friedrich I. Reichstag
Die
Kaiserpfalz zu Gelnhausen
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Entstehung und geschichtliche Bedeutung: Die Burg (wie die altehrwürdige Kaiserpfalz mundartlich
genannt wird) liegt auf einer kleinen Kinziginsel unterhalb der Stadt Gelnhausen.
Da das Gebiet sumpfig ist und immer wieder bei Hochwasser der Kinzig
überschwemmt wird, war es erforderlich, die gesamte Kaiserpfalz auf ca.
20.000 Pfählen zu errichten. Diese Eichenpfähle ermöglichten in der heutigen
Zeit eine genaue Datierung der Bauzeit - 1170. Eigentlich müsste man die „Burg“ ja als Schloss bezeichnen,
denn sie diente dem Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nationen“ als Wohnsitz, wenn er sich in Gelnhausen aufhielt. Da der Kaiser
sich nicht an einem Ort in dem riesigen Reich aufhielt, sondern umherreiste
um Präsenz zu zeigen, wurden im ganzen Land Pfalzen angelegt, z.B. Worms,
Goslar. Um diese Pfalzen siedelten die Burgmannen und es wurden auch in
Abwesenheit des Kaisers die Verwaltungsarbeiten erledigt. Die Bauzeit der Kaiserpfalz liegt in der Regierungszeit von
Kaiser Friedrich I. (1152-1190) – auch Kaiser Barbarossa genannt - aber eine
ältere Burganlage muss auch vorher schon vorhanden gewesen sein. Barbarossa
besuchte seine Pfalz recht oft (acht Mal ist belegt) und er hielt auch zwei
Reichtage (das Treffen der regierenden Fürsten) in Gelnhausen ab. 1180 wurde
beim Reichstag in Gelnhausen der Bann über Heinrich den Löwen verhängt und er
wurde all seiner Güter enteignet. Mit dem Niedergang der Staufer (1138-1254) war wohl auch der
Beginn des Niedergangs der Kaiserpfalz verbunden. Nach der Verpfändung des
Reichsgutes 1349 versank die Pfalz in der Bedeutungslosigkeit. |
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Beschreibung der Kaiserpfalz: Die Pfalz war nur durch die Vorburg zu erreichen. Im Mittelalter
standen hier Wirtschaftgebäude und die Häuser der Burgmannen. Aus diesen
Ansiedlungen entwickelte sich im Laufe der Zeit die Siedlung „Burg
Gelnhausen“ – eine unabhängige Gemeinde. Die Kaiserpfalz ist aus Sandstein erbaut, der in der
unmittelbaren Umgebung gefunden wurde. Viele Steinmetze waren an den Arbeiten
beteiligt – es wurden ca. 60 verschiedene Steinmetz-Zeichen gefunden. Obwohl
die Pfalzanlage nicht besonders groß war, war ihre Ausschmückung
verhältnismäßig üppig. Die Anlage diente gleichermaßen der Repräsentation wie
der Verteidigung. Ringmauer, Bergfried und Torturm verbinden sich mit dem
Palas und der Kapelle zu einem einheitlichen Gebäude. Leider ist nicht mehr sehr viel von der ursprünglichen Bausubstanz
erhalten. Vom Palas, dem Wohn- und Repräsentationsgebäude, stehen nur noch
zwei Wände des Untergeschosses. Aber auch aus diesen wenigen erhaltenen
Teilen kann man erahnen, wie schön die ursprüngliche Anlage war und welche
Bedeutung sie zu ihrer Blütezeit hatte. Erhalten sind im Bereich des Palas sehr reich verzierte
Kaminplatten, Säulen-Kapitelle, Arkadenreihen, kunstvolle Friese, das Portal
und mit Rankenwerk verzierte Rundbogen-Fenster. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Burgkapelle, die über der
großen Eingangshalle liegt, noch zu Gottesdiensten genutzt. Viel ist heute
davon allerdings nicht mehr erhalten. Ringmauer, Torturm und der nicht fertiggestellte Bergfried
wurden mit kostspieligen Buckelquadern verkleidet. Dadurch wirken die
Verteidigungsanlagen viel wehrhafter als sie eigentlich sind. Der
Eingangsbereich wurde weder durch Zugbrücke noch durch Falltore gesichert.
Die Insellage genügte anscheinend als Schutz. Als letzte Zuflucht für die
Bewohner diente anscheinend der Torturm, der durch einen ursprünglich in
sieben Meter Höhe befindlichen Eingang ausreichend gesichert war. Nicht mehr erhalten sind die Wohn- und Wirtschaftgebäude an der
Nord- und Südseite der Kernburg. |
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Die Reste der ehemaligen Kaiserpfalz: Nach der Verpfändung verfiel die Burganlage vollends, ja sie
wurde sogar bis 1814 von Gelnhausen und den umliegenden Gemeinden als
Steinbruch genutzt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man den Wert der
Kaiserpfalz und begann mit der Sicherung der Bausubstanz. Fast zu spät
erkannte man, welches Kleinod dieses Gebäude darstellt. Trotz allem ist sie
eine der schönsten und besterhaltenen
staufischen Pfalzen. Heute kann man außer den Resten der Kaiserpfalz auch das
Burgmannenhaus besichtigen, in dem Original-Steinmetzarbeiten und
Original-Eichenpfähle ausgestellt sind. |